Nach dem Frieden von Luneville im Jahre 1803 verlor Rothenburg ob der Tauber nicht nur seine “Reichsfreiheit” und wurde Bayern einverleibt, sondern es wurde auch seines gesamten westlichen Umlandes beraubt, das an Württemberg fiel. So wurde Rothenburg zu einem bedeutungslosen Provinzstädtchen und verfiel mehr oder minder in einen Dornröschenschlaf.

Der-Meistertrunk-BuchAber vielleicht war das auch ein Glück, da es dadurch seine mittelalterliche Schönheit in dieser Einmaligkeit bewahren konnte.

Nur einmal im Jahr erfüllte Leben und Treiben die Gassen dieser Stadt – am Kirchweihmontag. Das Bürgermilitär versammelte sich in großer Gala auf dem Marktplatz und mit Musik ging es hinaus zum Brühl, zum Kirchweihschießen.
Leider wurde 1868 das “Bürgermilitär” aufgehoben und damit war auch die Anziehungskraft der Stadt zu diesem Fest gesunken. So überlegte bereits im Jahre 1870 ein kleiner Kreis wackerer Bürger, wie man die Stadt “attraktiver” gestalten könnte: Vielleicht durch einen Festzug mit Episoden aus Rothenburgs Vergangenheit.

Aber es dauerte noch neun Jahre, bis diese Vorstellungen Formen annahmen und auf einer Versammlung im “Hirschen.. am 3. November 1879 Adam Hörber seine ldee eines Festspiels von der wundersamen Errettung der Stadt im Jahr 1631 vor einer mehr als hundertköpfigen Versammlung vortragen konnte. Ein “Komitee” wurde gegründet, um die Vorbereitungen, vor allem organisatorisch und finanziell, anlaufen zu lassen. Am 28. September 1880 war es dann soweit: “Adam Hörber lud zu einer öffentlichen, dramatischen Vorlesung des Entwurfs zum historischen Festspiel ,Der Meistertrunk’ in den Saal des Gasthofes zum Hirschen ein.”

Ein Zeitgenosse berichtet: “Eine fast andächtige, weihevolle Stimmung bemächtigte sich im Verlauf des Vortrages bei der Hörerschaft und reicher Beifall lohnte den Verfasser am Schluss seiner Vorlesung.

historyNun waren die Würfel gefallen und große Begeisterung erfasste alle Teile der Bevölkerung. Eine Spendenaktion erreichte die stolze Summe von 6.500 Goldmark. Der Münchener Kunstmaler Birkmeyer schuf die Entwürfe für die originalgetreuen Kostüme und die ersten achtzig Uniformen wurden von dem Münchener Obergarderobier Ziehr gefertigt. Die benötigten Waffen und Rüstungen wurden vom Magistrat München aus dessen Sammlung zur Verfügung gestellt.

Der Kaisersaal musste für die Aufführung eingerichtet werden: Eine Bühne und die Sitzplätze wurden geschaffen und eine Beleuchtung musste installiert werden. Nun konnte es an die Einübung des Spiels gehen, doch auch hier galt es, schwierige Probleme * vor allem in der Besetzung der Sprechrollenträger – zu überwinden. Der Coburger Hofschauspieler Pabcke konnte als erster Regisseur gewonnen werden, der am 30. März 1881 mit den Proben begann.

Am Pfingstmontag des Jahres 1881 war es dann soweit, die erste Aufführung sollte im Kaisersaal des Rathauses über die Bühne gehen. “Extrazüge” brachten Gäste aus ganz Deutschland; schon ab sechs Uhr waren alle Tore mit Schweden und Stadtsoldaten besetzt und gaben den Besuchern einen Vorgeschmack auf die Dinge, die sie erwarteten. Bis auf den letzten Platz war der Kaisersaal besetzt und in den Gängen drängten sich die Besucher. Schon nach Schluss des ersten Aktes – mit Glockenklang und Orgeltönen – brach ein Sturm des Beifalls aus. Er steigerte sich nach Schluss der Aufführung zu einem Orkan der Begeisterung. .Kinder, wir haben gewonnen!* soll Regisseur Pabcke ausgerufen haben und Spielleiter, Autor und Akteure umarmten sich auf der Bühne.